Videoscreening mit Live-Performance

10. September, 20:00, KHM
The Fall Of A Queen, Or The Taste Of the Fruit To Come (1991) [Der Fall einer Königin oder der Geschmack kommender Früchte] von Akiko Hada ist eine 20-minütige Videooper, die Gesang, Lautsprache, Gebärdensprache und Untertitel zu einer vielschichtigen und ungewohnten, audiovisuellen Form verbindet. In bunt-flirrenden, barock anmutenden Bildwelten folgen die Zuschauer*innen der Königin wie sie sich unter ihr unzufriedenes Volk mischt, um lautsprachlich singend einen Umsturz zu verhindern. Ihr gegenüber agiert der königliche Berater, dargestellt vom Tauben Aktivisten und Gebärdensprachpoeten Gunter Trube.
Die Videooper steht im Dialog mit einer von Rafael-Evitan Grombelka 2026 für das IMAI – Inter Media Art Institute entwickelten Gebärdensprachpoesie-Performance, die als Live-Performance zeitgleich zur Videooper aufgeführt wird. Grombelka nimmt Trubes Rolle als Ausgangspunkt und erweitert sie zu einer eigenen gebärdensprachpoetischen Perspektive, die die politischen und sprachlichen Hierarchien der Videooper reflektiert und künstlerisch weiterführt. Die Performance knüpft zudem an Grombelkas frühere Auseinandersetzung mit Trubes Gebärdensprachposieperformances wie Cinderella und Schnee an.
Die Videooper The Fall Of A Queen, Or The Taste Of the Fruit To Come (Aikiko Hada, 1991) wird in englischer Lautsprache und British Sign Language sowie mit erweiterten, künstlerischen Untertiteln der Arbeitsgruppe Carefuffle auf Deutsch gezeigt. Die Gebärdensprachposie-Performance von Rafael-Evitan Grombelka findet in deutscher Gebärdensprache statt.
Im Anschluss diskutieren die Initiator*innen des Filmabends, Judith Greitemann, Martin Holst und Katja Lell gemeinsam mit Rafael-Evitan Grombelka und dem Publikum, über die Videooper sowie die Performance. Das Gespräch findet in Deutscher Gebärdensprache (DGS) sowie deutscher Lautsprache statt.
Beteiligte
Rafael-Evitan Grombelka ist Tauber Performer, Schauspieler und Gebärdensprachdolmetscher. Mit Gebärdensprachpoesie verbindet er Mimik, Gestik und Gebärden, um seine innere Gedankenwelt nach außen zu tragen und sein Publikum zu inspirieren. Er engagiert sich für die Sichtbarkeit der Deutschen Gebärdensprache und arbeitet regelmäßig für Theater, Film und Fernsehen.
Judith Greitemann beschäftigt sich in ihrer filmischen und forschenden Praxis mit anti-ableistischen Erzählweisen und Produktionspraktiken aus einer intersektionalen Perspektive. Sie studierte Kulturwissenschaften (B.A.) an der Universität Hildesheim und Kunst im Kontext (M.A.) an der Universität der Künste Berlin. Derzeit forscht sie am IMAI zur Zugänglichkeit audiovisueller Kunst im digitalen Raum.
Martin Holst ist 59 Jahre alt und entdeckte seine Leidenschaft für das Kino bereits als Kind durch expressionistische Stummfilme. Als hochmotivierter Kinogänger wurde sein Seherlebnis maßgeblich durch das Kino als Erfahrung geprägt, wobei er Stanley Kubrick als Beispiel nennen kann. Er schaut als fast tauber Mensch Filme bevorzugt im Originalton mit Untertiteln. Ein besonderes Interesse gilt dem Coming-of-Age-Genre, da dort Themen vorzufinden sind, die ihm in seiner eigenen Jugend möglicherweise fehlten. Als Mann schätzt er zudem feministische und insbesondere lesbische Filmproduktionen. Neben seiner Leidenschaft für das Kino beschäftigt er sich auch aktiv und passiv mit dem (Tanz-)Theater und berät zudem andere Akteure in Fragen der Barrierefreiheit bei Kulturevents. Er lebt in Köln.
Katja Lell arbeitet zurzeit als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für Medien Köln mit einem Schwerpunkt auf inklusive, diskriminierungskritische Perspektiven des Kinos sowie als stellv. Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Ästhetische Erziehung an der Universität zu Köln.
Akiko Hada (*1961 in Tagawa, Japan, †2026 in Berlin) lebte und arbeitete in Berlin. Ihre künstlerische Praxis entwickelte sich aus der experimentellen Musikszene der späten 1970er und frühen 1980er zunehmend in Richtung Videokunst. Hada bewegte sich genreübergreifend zwischen Performance und Video. Ihr Werk umfasste Musikvideos, Performance- und Konzertdokumentationen, lyrische Erzählungen sowie Animationen.
Wolfgang Müller (*1957 in Wolfsburg) ist Künstler, Musiker und Autor. 1980 gründete er die Post-Punk-Band Die Tödliche Doris und arbeitet seither interdisziplinär in Musik, Hörspiel, Performance und bildender Kunst. Er lehrte Experimentelle Plastik an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.
Gunter Trube (*1960 in München, †2008 in Berlin) war Künstler, Gebärdensprachpoet, Performer und eine zentrale Figur der queeren Taubenbewegung in Deutschland. Bekannt wurde er als Gebärdensprachpoet unter anderem durch seine Inszenierung der Weihnachtsgeschichte Schnee (1994). Zeit seines Lebens engagierte er sich für die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache und die künstlerische, politische und gesellschaftliche Sichtbarkeit Tauber Kultur.
Carefuffle ist eine von Menschen mit Behinderungen geleitete Arbeitsgruppe, die barrierefreie Untertitel für künstlerische Bewegtbilder erstellt. Sie verstehen Barrierefreiheit als kreative und befreiende Praxis, die ableistische Erzählungen hinterfragt, Menschen mit Behinderungen unterstützt und neue Formen kultureller Ausdruckskraft eröffnet. Sie setzen sich für eine Zukunft ein, in der Zugang untrennbar mit Kultur verbunden ist – ein Akt von Fürsorge, Freude und Gerechtigkeit, der Gemeinschaften bereichert und die Möglichkeiten von Kunst erweitert.
/c/ Rafael-Evitan Grombelka, Foto: Benedikt J. Sequeira Gerardo